Erbsenzähler – Erntedank mal anders

Wer mag sie schon, die Erbsenzähler, die Bedenkenträger, die Angsthasen, die Dauerpessimisten. Manchmal hilft es mir, solche Menschen, die es einem so richtig schwer machen können, die hinter jedem und allem eine Kritik oder negative Botschaft finden, mit einer Geschichte ins Denken zu bringen, vielleicht sogar am Ende des Gesprächs miteinander schmunzeln oder lachen zu können. Zum Beispiel mit folgender Begebenheit:

Einige Pfarrer und kirchliche Mitarbeiter saßen beieinander. Sie unterhielten sich über aktuelle Probleme und Konflikte in Kirche und Gemeinde. Ein Pfarrer war ziemlich frustriert und niedergeschlagen und konnte sich gar nicht mehr so recht freuen. Vieles in seiner Gemeinde belastete ihn sehr. Als er sich den ganzen Packen von der Seele geredet hatte, fragte er in die Runde: „Was kann ich nur machen, dass ich auch wieder die positiven Dinge sehe?“ Einer aus der Runde schlug vor: „Wissen Sie, was da helfen könnte? Erbsen zählen!“ Alle sahen sich überrascht an. Erbsen zählen, wie denn das? „Nun ja“, sagte er, „das ist ganz einfach: Stecken Sie sich morgens eine Handvoll trockener Erbsen in die linke Hosen- oder Jackentasche. Immer, wenn Sie tagsüber etwas Gutes erleben, und sei es nur eine Kleinigkeit, nehmen Sie eine Erbse und stecken Sie sie in die rechte Tasche. Sie werden wirklich staunen: Abend für Abend ist Ihre rechte Tasche voller als die linke. Manchmal werden Sie nicht einmal genügend Erbsen dabeihaben, um die vielen schönen Dinge zu würdigen.“

Ist das nicht eine gute Idee? Eine Erbse für das leckere Frühstück, eine Erbse für die Frau oder den Mann an meiner Seite, eine Erbse für den herrlichen Herbsttag, eine Erbse für den schön gestalteten Erntedankaltar in der Kirche, eine Erbse für den lieben Besuch, eine Erbse für das Lachen der Kinder auf dem Spielplatz, eine Erbse für den freien Sitzplatz im Bus, eine Erbse für die wohltuende Stille im Kirchenraum, eine Erbse für die freundliche Kassiererin beim Einkaufen, eine Erbse für den guten Rat des Arztes, eine Erbse für den Postboten, der keine Rechnung brachte und … und ... Es gibt so viele Gründe für eine Erbse!

Solche Erbsenzähler mag ich und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen in den nächsten Tagen viele gute, schöne und erbsenwürdige Erfahrungen und Begegnungen!


Johannes Walter - Klinikseelsorger und Pastoralreferent