Impuls Heiliger Franziskus

Am 4. Oktober feiern wir nach dem Heiligenkalender den Namenstag von Franz von Assisi. Ein großer Heiliger unserer Kirche und ein großes Vorbild für unseren Glauben!

Obwohl der Mann aus Assisi vor 800 Jahren lebte, ist sein Leben für uns heute aktueller denn je, ein Paradebeispiel für unerschrockenes Vorgehen im interreligiösen Dialog. Während des Kreuzzuges gegen die Muslime reiste Franziskus nach Palästina. Von dort aus führte sein Weg weiter nach Ägypten. Gegen den Willen der Kreuzzugsleitung ging er in der Gegend von Damiette, das an der Nilmündung liegt, während einer Waffenpause ins gegnerische Heer, um dort zu predigen. Franziskus schlug neue Töne an. Er machte Schluss mit der islamfeindlichen Rhetorik der damaligen Zeit. Mehrere Tage lang redete er mit dem Sultan. Den Krieg konnte er nicht beenden, aber beide Seiten waren angetan von der Offenheit im Gespräch. Al-Kamil Muhammad al-Malik schenkte Franziskus ein Elfenbeinhorn und gewährte ihm Personenschutz, bis er zurück im Heer der Kreuzfahrer war. Diese Erfahrungen prägten ihn so sehr, dass sie in die Abfassung der Regel für den Franziskanerorden einflossen.

1986 lud erstmals Papst Johannes Paul II. zum Gebetstreffen für den Weltfrieden nach Assisi ein. Zwölf religiöse Gruppierungen waren vertreten: Neben Christen verschiedener Konfessionen beteiligten sich auch Juden, Muslime, Buddhisten, Hindus, Muslime, Sikhs. Unvergesslich bleiben die Bilder, wie neben dem einladenden Papst und dem Dalai Lama ein Indianerhäuptling mit reichem Federschmuck die Friedenspfeife rauchte.

Der Geist von Assisi setzt sich fort mit einem Mann; sein Name ist Programm: Papst Franziskus ist auf den Spuren des großen Heiligen unterwegs. Das Anliegen des Religionsdialoges vor Augen sorgte Jorge Maria Bergoglio schon während seiner Zeit in Argentinien dafür, dass bei Staatsakten die Repräsentanten aller Glaubensrichtungen ein Gebet sprechen. Dass Interreligiosität nichts mit Gleichmacherei zu tun hat, ist für Papst Franziskus selbstverständlich:

Beim Franziskusfest in Assisi sagte Papst Franziskus:

„Der franziskanische Friede ist keine Gefühlsduselei. Bitte, diesen heiligen Franziskus gibt es nicht! Der Friede des heiligen Franziskus ist der Friede Christi, und diesen Frieden findet, wer Christi „Joch auf sich nimmt", nämlich sein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe (Joh 13,34)."

Diese Worte sind nach wie vor hoch aktuell! Unsere verwundete Welt braucht den Frieden.

Den Frieden in unserem Denken, den Frieden in unserem Handeln, den Frieden in unserem Herzen! Der Friede allein kann die Welt und uns verändern. Diese Gedanken bringt das Friedensgebet aus Frankreich auf den Punkt!! Ein Werkzeug des Friedens zu sein ist ein wichtiges Anliegen für uns alle!!

Im Geist der Versöhnung und des Friedens feiern wir das Fest des Heiligen Franziskus am 4. Oktober 2020 in unserer Kirche und lassen Franziskus auch im Gottesdienst um 11 Uhr in St. Martin zu Wort kommen!

Der Friede, um den der Heilige Franziskus gerungen und gebetet hat, möge in uns sein!

Ihr Pfarrer Stefan Ruf

 

Friedensgebet

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.

(aus Frankreich, Franz von Assisi zugeschrieben)