Wes Geistes Kind sind wir?

Beim Abendspaziergang auf dem Talfeld bin ich vor kurzem überrascht worden von ein paar Menschen, die vom Hochhausbalkon gesungen haben: Der Mond ist aufgegangen - so schön, dass ich ganz beseelt nach Hause gegangen bin. Danke!!

In diesen Tagen können wir erleben, wie diese Krise ganz Unterschiedliches in Menschen hervorrufen kann. Es gibt egoistische und völlig unangemessene Verhaltensweisen wie das Ignorieren aller Gefahren und Regeln oder von Panik gesteuerte Hamsterkäufe. Es gibt aber auch ganz viele Zeichen von Zuwendung und Verbundenheit, so viele ermutigende Impulse, die von einem zum andern weitergeschickt werden, so viele Nachfragen und gute Wünsche, so viele Ideen, wie angesichts der äußeren Distanz doch eine innere Verbundenheit zum Ausdruck gebracht werden kann, sowohl durch symbolische Aktionen als auch durch ganz konkrete Hilfsprojekte.

Und wir? Wo finden wir uns wieder? Was löst diese Situation, die sich niemand so vorher hat vorstellen können, in uns aus? Eher Angst und Panik oder Gelassenheit und Zuversicht? Eher Egoismus und Ellbogenverhalten oder Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft?

Wes Geistes Kind sind wir?

„Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (schreibt Paulus an Timotheus, 2Tim 1,7).

Spannend finde ich zum einen, dass Paulus als Gegenbegriff zur Verzagtheit nicht etwa Vertrauen oder Zuversicht nennt, sondern Kraft und Liebe, also etwas, mit dem ich aktiv etwas bewirken und eine Situation gestalten kann, und das nicht unüberlegt und überstürzt, sondern besonnen, also achtsam und gelassen. Zum anderen erschient mir wesentlich, dass dieser Satz nicht nur moralischer Appell sondern Zuspruch ist. Dieser Geist ist uns gegeben. Wir müssen nicht alles aus eigener Kraft schaffen. Im Vertrauen auf Gottes Geist, auf Gottes Kraft und Liebe können wir unsere Ängste überwinden und tun, was not-wendend und hilfreich ist.

Auf der Suche nach einem Bild oder Symbol für diesen Zuspruch, das solche Kraft und Liebe und Besonnenheit sichtbar macht, habe ich die Figuren auf dem Foto wieder entdeckt. Körperlich können wir uns momentan nicht so nahe sein und uns so berühren und halten. Aber von unserer Herzenshaltung her können wir solche Verbundenheit leben und uns im übertragenen Sinne so unter die Arme greifen. Wir können uns bewusst machen, aus welcher Kraft wir leben und was uns miteinander verbindet. Wir können mit Phantasie und Kreativität nach Möglichkeiten suchen, wie wir trotz der räumlichen Distanz diese Zusammengehörigkeit zum Ausdruck bringen können. Und wir können immer wieder um diesen Geist bitten, der uns zu mehr beruft, als uns aus eigener Kraft möglich ist, wie in dem Lied: „Komm, heilger Geist, mit deiner Kraft, die uns verbindet und Leben schafft.“

Stefanie Brüggemann - Pastoralreferentin Biberach