Wochenimpuls - 27. April bis 2. Mai

Abschied von Gemeindereferentin Renate Fuchs

Auf Wiedersehen – Tisch und Schützenfest!


Im Film „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ geht es um eine jüdische Familie, die auf der Flucht ist. Immer wenn die Familie einen Ort verlassen muss, dann verabschiedet sich die kleine Anna von allen liebgewordenen und gewohnten Dingen. Sie geht in jedes Zimmer und sagt: „Auf Wiedersehen, Klavier, Baum, Bett, Herd, Tisch usw…“

Auch wir haben gerade den Eindruck, dass wir uns von allen liebgewonnen Gewohnheiten, normalem Alltag und bekannten Festen verabschieden müssen.

Ein Sommer ohne Schützen wird dieses Jahr Wirklichkeit werden.

Diese Vorstellung fällt uns nicht leicht, aber die Vernunft und der Verstand sagen uns, dass es notwendig ist. Und vielleicht hilft es uns, diese Entscheidung aller Verantwortlichen zu akzeptieren und mitzutragen, indem wir uns ganz bewusst dieses Jahr von diesem Fest verabschieden und mit der kleinen Anna sagen: „Auf Wiedersehen Schützenfest!“

Sich verabschieden von den liebgewordenen und gewohnten Dingen, damit etwas Anderes und Neues entstehen kann. Damit die Gesundheit erhalten bleibt. Keine leichte Aufgabe für jeden von uns.

Die Not wenden – auch so ein Wortspiel. Die Corona-Krise ist für die Meisten durch Einschränkungen greifbar. Die Not ist sichtbar und spürbar wie z. B. Kurzarbeit oder kein Einkommen, keine Besuche im Familien- und Freundeskreis, im Krankenhaus, in Seniorenheimen, keine Gottesdienste, keine persönlichen direkten Begegnungen.

Wir können weitere Nöte aufzählen und uns beklagen was uns alles fehlt.
Eine Hilfe kann sein, sich selbst zu wenden und anschauen, wer oder was da ist. Fangen wir an, uns in der Natur umzuschauen, hier blüht und wächst alles.

Der nächste Schritt kann sein, wieder auf sich zu schauen und sich zuzuwenden. Es tut gut, die Sonne zu spüren und wahrzunehmen. Das schöne Wetter zu genießen.

Jeden Tag den Blick auf mich wenden und zu schauen, wie geht es mir heute. Die Wahrnehmung wird manchmal so sein, wie das Wetter. Die persönliche Stimmung kann von bedeckt und regnerisch, trüb bis sonnig oder heiter bis wolkig sein. Und wir wissen, nach Regen folgt Sonnenschein.

Vor kurzem habe ich einen Satz gelesen, der uns allen Mut machen kann:
„Samen der Schwarzmalerei gehen in einem dankbaren Herzen nicht auf.“

Wenn wir beginnen die kleinen Dinge zu sehen und dafür dankbar zu sein, auch wenn es nur für eine kurze Zeit ist, dann hat die Ohnmacht, Beklemmung und Angst keinen Platz. Fröhlichkeit, Zuversicht und das Vertrauen in sich selbst haben dann einen Platz zum Entfalten gefunden. Und es fällt uns leichter uns von gewohnten Dingen zu verabschieden und Veränderungen anzunehmen.

Und heute sage ich am Ende meines Impulses:
"Auf Wiedersehen Seelsorgeeinheit Biberach.“

Am 30. April geht meine Arbeit hier in der Seelsorgeeinheit zu Ende und ich wechsle in das Dekanat Biberach mit den Schwerpunkten Trauerseelsorge, Seniorenpastoral und Religionsunterricht an der Grundschule. Auch wenn ich gehe, bleibe ich. Ja, Sie lesen richtig. Ich bleibe im Büro St. Josef in Biberach für 2 bis 3 Jahre als Außenstelle des Dekanats bis ich in das Dekanatsgebäude umziehen kann. Dem Gesamtkirchengemeinderat danke ich herzlich, dass ich hier noch einige Zeit bleiben darf.

Ich danke Ihnen für Ihr Lächeln, für Ihr Mitgehen, Mithelfen, Mittragen, Mitbeten und Singen und für alle schönen Begegnungen, Erlebnisse und Anregungen in unseren Kirchengemeinden der Seelsorgeeinheit.

Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Geduld, Gelassenheit und die Dankbarkeit für die großen und kleinen Dinge im Leben.

Mit diesem irischen Segenswunsch möchte ich mich von Ihnen verabschieden:

„Mögest du immer auf ebener
Straße wandern.
Möge der Wind dir immer
im Rücken wehen.
Möge die Sonne warm
auf dein Gesicht scheinen
und der Regen sanft
auf die Erde fallen.
Und bis wir uns wiedersehen,
möge Gott seine schützende Hand über dir halten.“

 

Renate Fuchs - Gemeindereferentin Biberach